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Verlaufsdokumentation KJP & Familie

Beispiel Verlaufsdokumentation TP KJP 13 J.

Verlaufsdokumentation einer tiefenpsychologisch ausgerichteten KJP-Sitzung mit Angst, Scham und Rückzug im schulischen Kontext.

Beispiel Verlaufsdokumentation TP KJP 13 J.

Setting

  • Einzeltherapie mit der Patientin

Veränderungen seit der letzten Sitzung

  • Erhöhte Selbstwahrnehmung von Angst- und Anspannungsreaktionen bei emotionaler Offenbarung

Sitzungsverlauf und Hauptthemen

  • Beschreibung des Erlebens von "Falschsein" im Sportunterricht und in der Schule
  • Verknüpfung von Kritik des Vaters ("zu empfindlich") mit schulischer Bewertungssituation
  • Darstellung von Rückzugs- und Vermeidungsstrategien als Schutzmechanismus
  • Konflikt mit einer Freundin, Unterdrückung von Traurigkeit und Wut
  • Wunsch nach authentischem Ausdruck, Angst vor Ablehnung und Lachen der Mitschülerinnen
  • Einführung von kleinen Selbstoffenbarungsübungen (kurzer Satz über aktuelle Gefühle)

Neue anamnestische Daten

  • Konflikt mit einer Freundin, innerlich fast geweint, jedoch verbal nur "Alles okay" gesagt
  • Wiederholte Erfahrung von körperlicher Anspannung (Herzrasen, beschleunigte Atmung) bei emotionaler Belastung
  • Hinweis auf wiederholte Kritik des Vaters, die zu Unsicherheit und Rückzug führt

Therapeutische Interventionen

  • Exploration innerer Konflikte und Beziehungsmuster
  • Förderung von Affektwahrnehmung und -differenzierung
  • Klärung emotionaler Bedeutungen von Rückzug und Kritik
  • Unterstützung der Mentalisierung von Körper- und Gefühlsreaktionen
  • Haltgebende und strukturierende Interventionen (Übung von kurzen Selbstoffenbarungen)

Emotionale Dynamik

  • Vorherrschende Angst- und Anspannungsgefühle bei Erinnerung an schulische Bewertungssituationen
  • Begleitende Traurigkeit und Ärger über eigenen Rückzug
  • Auftreten von Hoffnung und Motivation, Gefühle sichtbar zu machen, verbunden mit einem Gefühl von Erleichterung nach verbaler Äußerung

Affekt- und Abwehrdynamik

  • Affekt: Angst, Scham, Traurigkeit, Ärger, Hoffnung
  • Abwehr: Vermeidung durch Rückzug, Unterdrückung von Gefühlen, verbale Minimierung ("Alles okay")

Beziehungsgestaltung

  • Beziehung zum Vater gekennzeichnet durch kritische Bewertung, resultierend in Unsicherheit und Rückzug
  • Beziehung zu Gleichaltrigen durch Angst vor Beobachtung und Lachen, was zu sozialem Rückzug führt
  • Therapeut-Patientin-Beziehung von vorsichtiger Offenheit, wobei die Patientin wiederholt Bedenken äußert, vom Therapeuten als "zu empfindlich" bewertet zu werden

Interaktionsverhalten und Konflikte

  • Wiederholte Vermeidung von Selbstoffenbarung trotz innerem Wunsch, Konflikt zwischen Selbstschutz und Wunsch nach authentischem Ausdruck, Manifestation in schulischen und freundschaftlichen Situationen

Übertragungs- / Gegenübertragungsdynamik

  • Übertragung: Erwartung von Kritik seitens des Therapeuten, analog zur elterlichen Bewertung, manifestiert in Sorge, zu emotional zu erscheinen
  • Gegenübertragung (Therapeutin): Wahrnehmung von Schutzbedürftigkeit der Patientin, gleichzeitig Motivation, unterstützend und strukturiert zu begleiten, um schrittweise Selbstoffenbarung zu ermöglichen

Einschätzung der Suizidalität

Kein Hinweis auf Eigen- oder Fremdgefährdung.

Psychopathologischer Befund

Die Patientin zeigt ausgeprägte Angstreaktionen, die sich in körperlicher Anspannung (Herzrasen, beschleunigte Atmung) bei sozialer Bewertung äußern. Es liegen depressive Verstimmungen vor, erkennbar an Traurigkeit und Selbstvorwürfen nach Rückzug. Das affektive Erleben ist von Scham und Ärger geprägt, insbesondere im Kontext von elterlicher Kritik und schulischer Beobachtung. Interpersonell bestehen Konflikte mit Gleichaltrigen und ein zurückgezogenes Sozialverhalten, das als Schutzmechanismus gegen mögliche Ablehnung dient. Das Selbstbild ist von Unsicherheit und dem Gefühl des "Falschseins" gekennzeichnet. Die kognitive Verarbeitung ist von Überzeugungen über eigene Empfindlichkeit und die Erwartung von Kritik durch andere beeinflusst.

Absprachen

  • Übung der verbalen Benennung von Gefühlen in der Therapiesitzung (z. B. "Ich bin traurig")
  • Beobachtung und Dokumentation körperlicher Reaktionen während der Übung
  • Schrittweise Übertragung der Übung in vertraute Alltagssituationen (zu Hause, in der Schule)
  • Reflexion der erlebten Angst und ihrer Veränderung im nächsten Termin

Planung der nächsten Sitzung

  • Vertiefung der Affekt- und Körperwahrnehmung bei Selbstoffenbarung
  • Erweiterung der strukturierten Übung auf kurze Statements in schulischen Kontexten
  • Weiterführung der Exploration von internalisierten Bewertungsschemata und deren Einfluss auf das Sozialverhalten
  • Unterstützung der Mentalisierung von Gedanken-Gefühl-Körper-Zusammenhängen bei konkreten Alltagserfahrungen