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Verlaufsdokumentation KJP & Familie

Beispiel Verlaufsdokumentation ST KJP 12 J. Familiensitzung

Verlaufsdokumentation einer systemischen KJP-Familiensitzung mit Mustererkennung, Perspektivwechsel und Verhaltensexperimenten.

Beispiel Verlaufsdokumentation ST KJP 12 J. Familiensitzung

Setting

  • Familiensetting, kombiniertes Setting
  • Anwesend: Tom (12 Jahre, Patient), Frau K. (Mutter)

Ziel der Stunde

  • Mustererkennung im Eltern-Kind-Interaktionssystem
  • Ressourcenaktivierung durch kleine Experimente
  • Perspektivwechsel zwischen Elternteil und Kind

Veränderungen seit der letzten Sitzung

  • Keine neuen Veränderungen im schulischen oder familiären Kontext wurden berichtet

Sitzungsverlauf und Hauptthemen

  • Identifikation des zirkulären Interaktionsmusters Sorge → Druck → Rückzug → verstärkte Sorge
  • Exploration der Angst der Mutter (Versagen, Sitzenbleiben des Kindes)
  • Exploration der Angst des Kindes (Versagen, Kontrollverlust)
  • Rollenklärung im Muster (Mutter = Kontrolle, Kind = Rückzug)
  • Planung von konkreten Verhaltensexperimenten (einmalige Hausaufgabenfrage, fünfminütige Wartezeit)
  • Perspektivwechsel: Sichtweise des Kindes auf elterliche Angst und umgekehrt
  • Ressourcenfokussierung: Vertrauen und Selbstständigkeit als Zielvariablen

Neue anamnestische Daten

  • Keine neuen anamnestischen Angaben

Therapeutische Interventionen

  • Zirkuläre Fragen zur Aufdeckung von Wechselwirkungen
  • Perspektivwechsel zwischen Elternteil und Kind
  • Externalisierung des Musters als "Kreislauf"
  • Ressourcenaktivierung durch kleine Verhaltensexperimente
  • Rollenklärung und -reflexion

Emotionale Dynamik

Affektiver Rückzug des Sohnes, begleitet von Frustration und Unsicherheit. Besorgnis und Anspannung der Mutter, verbunden mit einem Kontrollbedürfnis.

Interaktionsmuster

  • Initiierung der Diskussion durch elterliche Nachfragen → erhöhter Druck → kindlicher Rückzug → verstärkte elterliche Sorge → erneuter Druck (rekursiver Verstärkungszyklus)
  • Wechselseitige Verstärkung von Angst und Kontrollverhalten im Familiensystem

Einschätzung der Suizidalität

Kein Hinweis auf Eigen- oder Fremdgefährdung.

Absprachen

  • Durchführung von zwei Situationen pro Woche, in denen das Muster bewusst unterbrochen wird (Kind erledigt Aufgabe ohne Nachfrage, Mutter wartet fünf Minuten)
  • Beobachtung und Reflexion der Erfahrungen in der nächsten Sitzung
  • Keine sofortige Intervention der Mutter bei auftretender Sorge, stattdessen ruhige Beobachtung

Planung der nächsten Sitzung

  • Besprechung der Umsetzung der vereinbarten Experimente
  • Reflexion der ausgelösten Ängste und Wirksamkeit der Interventionen
  • Anpassung des Verhaltensplans bei Bedarf
  • Weiterführung der Ressourcenarbeit und Vertrauensbildung im Familiensystem