Beispiel Verlaufsdokumentation ST
Setting
- Einzelsetting
Veränderungen seit der letzten Sitzung
- Eskalation eines Streits mit dem Partner am Vorabend, Beobachtung durch die Tochter.
Sitzungsverlauf und Hauptthemen
- Identifikation des Konfliktmusters zwischen Partner und Patientin, wobei die Patientin das Initiieren von Gesprächen als Auslöser und den Partner als Rückzugs- und Ironieverhalten beschreibt.
- Systemische Externalisierung des Musters als "Nähe-Rückzug-Eskalation", Benennung der dahinterliegenden Ängste (Patientin: Angst vor Leere, Partner: Angst vor Vereinnahmung, Drama, Kontrollverlust).
- Exploration der Beobachtungsfunktion der Tochter und deren möglicher Lerninhalte über Beziehungsmuster.
- Ressourcenaktivierung durch Entwicklung eines alternativen Verhaltensschrittes (Innehalten, Benennen, Einladung statt Vorwurf) und Definition von Indikatoren (geringere Lautstärke, veränderte Reaktion der Tochter).
- Hypothetische Projektion zukünftiger Handlungen (wie die Tochter in 20 Jahren das Muster beschreiben könnte) und Ableitung von Handlungsoptionen (frühzeitiges Stoppen, klare Bedürfnisäußerung).
- Lösungsorientierte Planung eines Experiments bis zur nächsten Woche, um das neue Muster zu erproben.
Neue anamnestische Daten
- Keine neuen diagnostischen Angaben, jedoch Hinweis auf wiederkehrende Angst vor Leere bei Vermeidung von Konflikten.
Therapeutische Interventionen
- Zirkuläre Fragen
- Hypothetische Fragen
- Reframing
- Externalisierung des Konfliktmusters
- Ressourcenaktivierung/Ressourcenarbeit
- Musterunterbrechung
- Lösungsorientierte Gesprächsführung
Emotionale Dynamik
- Affektive Spannung zwischen Angst (vor Leere, vor Kontrollverlust) und Ärger (lauter werdende Stimme).
- Wechsel von Frustration zu Hoffnung durch Erkenntnis des Musters und mögliche Veränderung.
Interaktionsmuster
- Wiederkehrender Zyklus "Nähe-Rückzug-Eskalation": Patientin initiiert Gespräch, Partner zieht sich zurück, Patientin steigert Lautstärke, was zu weiterer Distanz führt.
- Tochter fungiert als stiller Beobachter und unbewusster "Seismograph" des Konflikts, nimmt das Muster wahr und internalisiert implizite Botschaften über Lautstärke und Sicherheit.
Einschätzung der Suizidalität
Kein Hinweis auf Eigen- oder Fremdgefährdung.
Psychopathologischer Befund
Die Patientin ist bewusst, orientiert und aufmerksam, das Gedächtnis erscheint intakt, das formale Denken ist kohärent, inhaltlich fokussiert auf zwischenmenschliche Konflikte, keine Halluzinationen oder Illusionen, keine Ich-Störungen, affektiv ängstlich-frustriert, Antrieb vorhanden, Psychomotorik gesteigert im Kontext der Eskalation, keine vegetativ-somatischen Beschwerden, keine suizidalen Gedanken.
Absprachen
- Experimentelles Ausprobieren des neuen Musters "Innehalten – Benennen – Einladung statt Vorwurf" bis zur nächsten Woche.
- Beobachtung der Tochter als Rückmeldung für Musterveränderungen.
Planung der nächsten Sitzung
- Evaluation des Experiments und der beobachteten Veränderungen.
- Vertiefung der Ressourcenaktivierung und Stabilisierung des neuen Interaktionsmusters.
- Gegebenenfalls weitere Arbeit mit zirkulären und hypothetischen Fragen zur Festigung des veränderten Musters.
