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Gruppendokumentation

Beispiel Gruppe

Gruppendokumentation einer Sitzung zum Thema "Der innere Kritiker" mit Verlauf, Gruppendynamik und Beiträgen der Teilnehmenden.

Allgemeine Informationen

Dauer: 100 Minuten
Anzahl der Teilnehmenden: 6

Hauptfokus der Sitzung

"Der innere Kritiker" wurde als zentrales Thema gewählt. Die Gruppe untersuchte Entstehungs- und Funktionshypothesen der kritischen inneren Stimme sowie mögliche Ressourcen und Handlungsstrategien zum Umgang damit.

Verlauf der Sitzung

In der Eingangsrunde wurden aktuelle Veränderungen und Befinden benannt; anschließend erfolgte eine thematische Sammlung. Die Gruppe einigte sich auf das Thema „innerer Kritiker“. Eine Teilnehmende brachte das Thema ein, erläuterte die persönliche Relevanz und beschrieb die einschränkende Wirkung der inneren Stimme. Im Plenum teilten weitere Teilnehmende ihre Erfahrungen; dabei variierten Intensität und Umgang mit der inneren Kritik. In Kleingruppen wurden die Fragen nach Herkunft, möglichen Nutzen und Zielsetzung der kritischen Stimme erarbeitet. Die Ergebnisse wurden im Plenum präsentiert. Häufig genannt wurden familiäre Prägungen, insbesondere Erlebnisse im Elternhaus, sowie Lern- und Leistungserwartungen aus schulischen und beruflichen Kontexten. Positive Funktionen (z. B. Selbstschutz, Motivationsanstoß) wurden ebenfalls reflektiert, was bei einigen die Einstellung zur inneren Stimme veränderte. Im Anschluss sammelte die Gruppe gemeinsam Strategien aus den vorhandenen Ressourcen: Hinterfragen der kritischen Stimme, Realitätsprüfung, Berücksichtigung äußerer Rahmenbedingungen, liebevoller Selbstdialog, Installation einer unterstützenden inneren Stimme, Fokus auf positive Erlebnisse und Ausnahmen. Die Sitzung endete mit einer Abschlussrunde, in der die Teilnehmenden den Austausch als bereichernd bewerteten und zahlreiche Anregungen mitnahmen.

Wahrnehmung der Gruppe

Das Gruppenklima war durchweg positiv; die Zusammenarbeit verlief kooperativ und die Kleingruppenarbeit war stark engagiert. Neue Teilnehmende wirkten weitgehend integriert und erfuhren Akzeptanz seitens der Gruppe. Der Austausch war lebhaft, und die Gesamtdynamik war im Vergleich zur vorangegangenen Sitzung verbessert.

Therapeutische Reflexion

Die offene Atmosphäre ermöglichte es den Teilnehmenden, vulnerabel zu berichten und gleichzeitig voneinander zu lernen. Die Integration neuer Mitglieder verlief reibungslos, was auf ein stabiles Gruppensystem hinweist.

Ziele für die nächste Sitzung

Exploration von möglichen Widerständen bei der Umsetzung und Entwicklung von konkreten Handlungsplänen. Weiterführung der Integration neuer Teilnehmender durch gezielte Peer-Feedback-Runden.

Befinden, Verhalten oder Beiträge der einzelnen Teilnehmenden

Frau A.
Sie gibt an, dass sie müde sei, berichtet jedoch, dass sie ihre Prüfung bestanden habe und darüber sehr stolz sei. Gleichzeitig äußert sie, dass sie sich überfordert fühle und viele Aufgaben nach der Prüfung nachholen müsse. Sie berichtet, dass ihr innerer Kritiker nicht mehr so stark wirke wie früher, weil sie in den vergangenen Jahren an einem sanfteren Selbstumgang gearbeitet habe. Insgesamt beschreibt sie ihr Befinden als besser als zuvor, wobei die aktuelle Belastung durch die Nacharbeiten noch spürbar sei.

Herr P.
Er schildert, dass es ihm nur mittelmäßig gehe, weil seine Frau gestürzt sei und eine Verletzung erlitten habe. Er müsse nun neben seiner Arbeit auch den Haushalt, den Einkauf und die Kinderbetreuung vollständig übernehmen, was zu einer zusätzlichen Belastung führe. In Bezug auf den inneren Kritiker berichtet er, dass er bislang die kritische Stimme verdrängt habe, nun jedoch deren Auseinandersetzung als sinnvoll erachte.

Herr L.
Er gibt an, dass er sich mittelmäßig fühle, weil auf der Arbeit noch keine klare Perspektive bestehe und er das Gefühl habe, nicht voranzukommen. Im Kontext des inneren Kritikers berichtet er, dass er einen Umgang gefunden habe, bei dem er sich stärker auf das Positive fokussiere und bei Misserfolgen die Rahmenbedingungen berücksichtige. Er vergleicht sein Vorgehen mit dem anderer, um realistischere Einschätzungen von Misserfolgen zu ermöglichen. Sein Beitrag war reflektiert und er zeigte Bereitschaft, die Strategien weiter zu nutzen.

Frau U.
Sie berichtet über kleine Fortschritte bei ihren Ängsten, indem sie alleine einkaufen gewesen sei. Gleichzeitig äußert sie Anspannung und Albträume im Zusammenhang mit ihrer Arbeit. Sie teilt mit, dass sie nächste Woche in eine neue Wohnung ziehe, was Vorfreude, aber auch Angst vor der Bewältigung der neuen Situation auslöse. Sie hat das Thema des inneren Kritikers eingebracht, empfindet jedoch bislang keinen klaren Umgang damit. Insgesamt beschreibt sie ein gemischtes Befinden aus Fortschritt und anhaltender Unsicherheit.

Frau W.
Sie gab an, dass sie müde sei und sich seit zwei Wochen in einer neuen beruflichen Position befinde, die mit vielen Anforderungen, Aufgaben und hohen Erwartungen verbunden sei, die kaum innerhalb der Arbeitszeit zu bewältigen seien. Sie berichtet, dass sie aber nun die Einstellung habe, so viel zu erledigen, wie es machbar sei, und sich dadurch nicht fertig mache. Ihr Beitrag im Plenum war ruhig, jedoch deutlich, dass sie bereits eine ressourcenorientierte Haltung gegenüber ihrer Belastung entwickelt hat.

Herr O.
Er berichtet, dass weiterhin familiäre Konflikte bestünden. Im Kontext des inneren Kritikers beschreibt er ein Muster von hohem Perfektionismus und dem Streben nach immer besseren Leistungen, was jedoch keine Zufriedenheit bringe und zu Frustration führe. Am Ende der Sitzung gab er an, dass er sich besser fühle, obwohl das innere Konfliktmuster weiterhin präsent sei.