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Biografische Anamnese

Beispiel Biografische Anamnese - Familiengeschichte

Biografische Anamnese mit Schwerpunkt Familiengeschichte und Lebensverlauf eines erwachsenen Patienten.

Beispiel Biografische Anamnese - Familiengeschichte

Familiengeschichte

Der Patient schildert, dass sein Vater im Alter von 81 Jahren nach einer langen Tätigkeit als Schichtarbeiter im Stahlwerk im Ruhestand sei und ein sehr gutes Verhältnis zu ihm bestehe. Die Mutter sei vor acht Jahren im Alter von 72 Jahren an einer fortschreitenden Lungenerkrankung verstorben; ihr Tod habe den Patienten stark erschüttert und zu seiner ersten depressiven Phase geführt. Väterlicherseits gab der Patient an, dass sein Großvater im Zweiten Weltkrieg als Panzerfahrer gedient habe und nach Kriegsende ebenfalls im Stahlwerk gearbeitet habe. Der Großvater habe mehrere Jahre ein Alkoholproblem gehabt, das in einer Entzugsklinik behandelt worden sei; danach sei er abstinent geblieben. Die Großmutter sei Hausfrau gewesen und habe in ihrer Freizeit handgefertigte Keramiken für Nachbarn hergestellt. Mütterlicherseits berichtet der Patient, dass sein Großvater jung an einer Lungenentzündung gestorben sei. Die Großmutter sei strenggläubig gewesen und habe im Familienbetrieb einer kleinen Molkerei gearbeitet, wobei ihr Mann häufig wegen langer Arbeitszeiten abwesend gewesen sei. Der Patient habe eine fünf Jahre ältere Schwester, die als Rechtsanwältin in einer Großstadt arbeite; der Kontakt zu ihr sei regelmäßig und unterstützend. Der sieben Jahre jüngerer Bruder habe vor fünf Jahren die Ausbildung zum Metallbauer abgebrochen und sei seitdem arbeitslos; seit etwa einem Jahr bestehe ein größeres Zerwürfnis zwischen den Brüdern, das sich um finanzielle Entlastungszusagen, die Pflege der Eltern und gegenseitige Vorwürfe wegen mangelnder Zuverlässigkeit drehe. Der Patient habe beschlossen, vorerst Abstand zu halten, um seine eigene psychische Stabilität zu schützen. Seit dreißig Jahren lebe der Patient mit seiner Partnerin, die ebenfalls 54 Jahre alt sei. Das Paar habe drei erwachsene Kinder: Eine 28-jährige Tochter, Grundschullehrerin; einen 26-jährigen Sohn, der im zweiten Fachsemester Medizin studiere; und eine 23-jährige Tochter, Informatik-Studentin und Werkstudentin in einem Start-up. Der Patient beschreibt, dass er den Kindern bei Umzügen und der Studienfinanzierung unterstütze und dass die enge Bindung zur Partnerin, die regelmäßigen Besuche beim Vater und der stabile Kontakt zur Schwester ihm Kraft geben.

Lebensgeschichte

Der Patient gibt an, dass er in seiner Kindheit ein starkes Familiengefühl erlebt habe, sich sehr integriert gefühlt habe und liebevolle Betreuung durch die Großeltern sowie gute Beziehungen zu Schulkameraden und Nachbarn bestanden hätten. Er habe die Realschule abgeschlossen, anschließend die Fachoberschule für Technik besucht und dort die Fachhochschulreife mit dem Schwerpunkt Maschinenbau erworben. Daraufhin habe er eine dreijährige Ausbildung zum Mechatroniker absolviert und die Gesellenprüfung erfolgreich bestanden. Nach der Ausbildung sei er zunächst im Ausbildungsbetrieb als Facharbeiter tätig gewesen und habe nach fünf Jahren zu seinem jetzigen Arbeitgeber gewechselt. Dort sei er seit zehn Jahren in der Instandhaltung einer mittelständischen Fertigungsanlage für Präzisions-CNC-Maschinen beschäftigt. Zwischendurch habe er mehrere Fortbildungen im Bereich Robotik und Industrie absolviert. Vor zehn Jahren habe er einen Arbeitsunfall erlitten, bei dem ein mechanisches Teil auf seine rechte Hand gefallen sei. Dabei habe er bleibende Nervenschäden erhalten, die seine Feinmotorik leicht einschränken; er müsse nun bewusst mit der Hand umgehen, könne seine Arbeit jedoch weiterhin ausüben. Die Partnerschaft mit seiner jetzigen Lebensgefährtin habe er vor dreißig Jahren begonnen; seitdem sei die Beziehung stabil. Die Geburt der drei Kinder habe im Verlauf der 1990er- und frühen 2000er-Jahre stattgefunden. Der Patient beschreibt, dass seit etwa einem Jahr anhaltende Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, wenig Interesse an früheren Aktivitäten und ein allgemeines Gefühl von Überforderung vorherrsche. Er nehme seit einigen Monaten ein Antidepressivum (ein SSRI) ein, das jedoch noch nicht die gewünschte Wirkung zeige. Er betont, dass die steigenden Anforderungen am Arbeitsplatz, das Gefühl, nicht mehr die gleiche Leistungsfähigkeit zu besitzen, die andauernde Belastung durch die Pflege seines Vaters sowie der Konflikt mit dem Bruder die aktuelle Stimmung besonders beeinflusse. Trotz dieser Belastungen gebe ihm die enge Bindung zur Partnerin, die regelmäßigen Besuche beim Vater und der stabile Kontakt zur Schwester Kraft und ein Stück Identität sowie Selbstwert.