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Erstgespräche & Anamnese

Beispiel Erstgespräch KJP

Erstgesprächsanamnese im kinder- und jugendpsychotherapeutischen Setting mit Schulangst, Rückzug und psychosozialer Belastung.

Beispiel Erstgespräch KJP

Vorstellungsgrund

Der 8-jährige Schüler, der mit seiner Mutter zusammenlebt und dessen Vater seit zwei Jahren getrennt ist, wird gemeinsam mit seiner Mutter wegen schulischen Leistungsabfalls, Rückzugs aus dem Schulalltag, körperlicher Beschwerden und psychosozialer Belastungen vorgestellt.

Aktuelle Symptomatik

Bericht der Mutter über stark abgefallene Noten, erhebliche Schwierigkeiten beim morgendlichen Schulbeginn und stark reduziertes Außengehen des Kindes. Eigenbericht des Kindes über anhaltende Schulunlust, Wahrnehmung von Spott durch Klassenkameraden, häufiges Bauchweh am Morgen, gelegentliches Verbleiben zu Hause, gesteigerte Anspannung und reduzierte Gesprächsbereitschaft in der Schule, wiederholtes Grübeln über bevorstehende Schultage, Verlust von Interesse am früheren Fußballspiel, verminderte Energie sowie passive Suizidgedanken ohne konkrete Planung.

Somatische Beschwerden

Wiederkehrendes Bauchweh am Morgen, Schlafstörungen mit nächtlichem Wachliegen und Einschlafschwierigkeiten.

Entwicklungsgeschichte der Symptomatik

Beginn der Veränderungen vor etwa einem halben Jahr, zeitgleich mit einem peinlichen Vorfall (Veröffentlichung eines Videos des Sturzes beim Sport) vor sechs Monaten. Anschließende Zunahme von Schulvermeidung, körperlichen Beschwerden und sozialer Unsicherheit.

Entwicklungsanamnese

Keine Angaben zur frühkindlichen Entwicklung, Sprach- oder Motorikentwicklung.

Schulische Situation

Schulbesuch der Grundschule, 3. Klasse, deutlicher Leistungsabfall, häufige Schulverweigerung, reduzierte Motivation und Anspannung im Unterricht.

Familiäre Situation

Getrennte Eltern seit zwei Jahren, wöchentlicher Wechselkontakt mit dem Vater jedes zweite Wochenende, konfliktreiche Beziehung zur Mutter bezüglich schulischer Anforderungen und Mediennutzung, häufige Streitigkeiten, gegenseitige Wahrnehmung von Druck und Rückzug.

Therapieziele

  • Reduktion des morgendlichen Bauchschmerzes.
  • Verbesserung der schulischen Situation und Verringerung der Schulangst.
  • Stärkung der elterlichen Wahrnehmung von Wirksamkeit im Umgang mit dem Sohn.

Bisherige Behandlungen

Keine vorherigen psychotherapeutischen, psychiatrischen oder medizinischen Interventionen.

Medikamente

Keine medikamentöse Therapie berichtet.

Suchtanamnese

Suchtmittelanamnese unauffällig. Vermehrter Medienkonsum: 2-3 Stunden pro Tag

Relevante biografische Daten

Trennung der Eltern vor zwei Jahren, peinlicher Vorfall mit Videoveröffentlichung vor sechs Monaten, anhaltende Konflikte über schulische Erwartungen und Medienzeit, wechselnder Kontakt zum Vater, häufige Streitigkeiten im häuslichen Umfeld.

Psychopathologischer Befund

Bewusstsein und Orientierung intakt, Aufmerksamkeit teilweise beeinträchtigt durch Grübelprozesse, Gedächtnis ohne Auffälligkeiten, formales Denken ohne Störungen, inhaltliches Denken von schulbezogenen Ängsten und sozialen Unsicherheiten dominiert, keine Halluzinationen oder Wahnideen, Ich-Funktionen weitgehend erhalten, Affektlage von Anspannung, Niedergeschlagenheit und passiven Suizidgedanken geprägt, Antrieb reduziert, Psychomotorik leicht verlangsamt, vegetativ-somatische Befunde von Bauchschmerzen und Schlafstörungen, Suizidalität durch passive Gedanken ohne konkrete Planung.

Diagnostische Überlegungen

F43.21 Anpassungsstörung mit depressiver Stimmung – Begründung: Auftreten von depressiven Symptomen (Antriebsminderung, Interessenverlust, passive Suizidgedanken) im Kontext einer belastenden sozialen Situation (peinlicher Vorfall, schulische Konflikte) und familiärer Belastung (Elterntrennung, Konflikte mit der Mutter). F41.2 Soziale Phobie – Begründung: Ausgeprägte Angst vor schulischen Situationen, Wahrnehmung von Spott durch Klassenkameraden, Vermeidung von Schule. Differenzialdiagnostisch zu prüfen: F32.0 Leichte depressive Episode.

Nächste Schritte

  • Gemeinsame Elterngesprächs-Einheit zur Klärung von Erziehungs- und Kommunikationsmustern.
  • Terminvereinbarung für weitere diagnostische Abklärung und Therapieplanung.